Mittwoch, 8. Januar 2014
Willkommen zurück...
Das Studentenleben hat mich wieder

07.01.2014, 07:15 Uhr - Zum ersten mal in diesem Jahr klingelt mein Wecker und das so laut, dass ich ihm direkt einen Schlag auf die Snooze-Taste verpasse und mich wieder in meine Warme Decke einkuschle. Auf fünf Minuten mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht an, denke ich mir und schließe die Augen. Wach werde ich von alleine, ganz ohne Wecker, nur das Ticken der Uhr an der Wand stört die Ruhe. Als ich die Augen öffne und einen Blick auf den tristen, grauen Himmel werfe vergeht mir jegliche Lust, mich ins Bad zu schleppen. Aber Moment - grauer Himmel? Es war doch grade noch dunkel!
Ein verschlafenes "Fuck!" ist alles, was ich hervorbringe, als ich auf die Uhr schaue und der kleine Zeiger still und heimlich von der sieben auf die acht gewandert ist. Na klasse! Der erste Tag und dann gleich eine Stunde zu spät. Okay, die Einführungsveranstaltung für das neue Modul kann ich mir also schenken. Unter der Dusche rechne ich mir aus, dass ich es wenigstens noch rechtzeitig zur ersten Vorlesung schaffen werde, wenn ich mich ein bisschen beeile.
Gesagt, getan - Knappe zehn Minuten später sitze ich in meinem Auto und kämpfe mich durch Mannheims Straßen, habe sogar noch genug Zeit, mir einen Kaffee zu besorgen, bevor ich mich zu meinen Kommilitonen in den Hörsaal geselle. Aus Gewohnheit steuere ich meine bewährte Sitzreihe an und sichere mir den letzten freien Platz. Auf dem Weg rufe ich ein paar Neujahrsgrüße durch den Raum, schüttle dem ein oder anderen die Hand und habe selbst nach drei Monaten Studium noch immer das Gefühl, dass zwischen den bekannten Gesichtern auch ein paar Leute sitzen, die ich noch nie gesehen habe.

Dabei sein ist alles - zumindest am Anfang

Der Saal ist voll. Zu voll eigentlich, denn neben mir und meinen etwa 200 Mitstudierenden haben sich einige Studenten aus dem dritten Semester unter's Publikum gemischt, die sich offenbar auf ihr Physikum vorbereiten wollen. Ein traumhafter Anblick für jeden Dozenten, geht es mir durch den Kopf, ein ganzer Hörsaal voller wissbegieriger Studenten, die sogar 90 Minuten Sitzen auf Tischen am hinteren Ende des Saals auf sich nehmen, nur um die Vorlesung zu hören. Wobei... So wissbegierig sind sie vielleicht doch nicht. Einige von ihnen, mich eingeschlossen, drücken gebannt auf ihren Handys rum oder wischen mir ihren Fingern über die glänzenden Oberflächen ihrer Tablets, andere bleiben auch nachdem der Dozent zu sprechen begonnen hat noch in den Gängen zwischen den Sitzreihen stehen und unterhalten sich angeregt. Vielleicht doch nicht ganz der Wunschtraum der Redner, die so lang immer lauter ins Mikro um Ruhe bitten, bis diese schließlich und nur sehr gemächlich auch einkehrt. Aber so ist der erste Tag eben. Man kann es sich ja mal anschauen - Und wenn einem der Dozent nicht zusagt, kann man ja nächstes mal immer noch zu Hause bleiben. Dabei sein ist ja bekanntlich alles, wenn auch nur zu Beginn.
In der ersten Vorlesung geht es um die Histologie des Bindegewebes. Prinzipiell mag ich Histologie, die Wissenschaft von den Geweben, wie sie im Duden definiert ist. Doch da gibt es ein entscheidendes Problem: So gern ich mir diese blau-roten, violetten, schwarzen und sonst wie angefärbten Strukturen im Mikroskop anschaue, ich erkenne nur mit viel Mühe überhaupt, wo die eine Zelle aufhört und die nächste beginnt. Von den Bestandteilen im Inneren ganz zu schweigen. Hilft ja alles nichts, sage ich gedanklich zu mir selbst und mache mir fleißig Notizen, während ich versuche gleichzeitig weiter der Vorlesung zu folgen.
Nach einer knappen Stunde passiert das, was immer wieder passiert... Mein Kopf ähnelt meinem Papiermülleimer. Völlig überfüllt und für jede zusammengeknüllte Seite, die man oben drauf wirft, fallen mindestens drei wieder raus. Also mitschreiben - schnell! So kann man sich wenigstens zu Hause noch mal irgendwie damit auseinandersetzen. Und wie alles schöne im Leben geht auch die erste Vorlesung des Moduls irgendwann vorbei. Applaus, Applaus, auf Wiedersehen. Der nächste bitte!

"Machen Sie sich keine Sorgen. Wir liegen noch gut in der Zeit!"

Die 15 Minuten Pause bis zur nächsten Vorlesung werden zusammen mit 80 Cent in einen Becher Kaffee investiert, der die wiederkehrende Müdigkeit vertreiben soll. Ob er seinen Zweck erfüllen wird ist fraglich. Gemessen an meinem Koffeinkonsum ist so ein Schluck Kaffee im wahrsten Sinne des Wortes nur ein Tropfen auf den heißen Stein und die Wirkung vermutlich ähnlich wie die bei einem Glas Milch. Egal, auch sie psychische Abhängigkeit will schließlich befriedigt werden. Einige Minuten später sitze in wieder im Hörsaal und mache mir Gedanken darüber, wie ein etwa kaffeebechergroßes Loch im Tisch mein Leben gerade unglaublich erleichtern würde, während der nächste Dozent das Mikro startklar macht und die Vorlesung beginnt. Makroskopische Anatomie - Das ist doch mal was interessantes! Knochen, Bänder, Sehnen und Muskeln. Für sowas kann man mich schon eher begeistern als Fetttröpfchen, die durch mein Bindegewebe geistern. Zufrieden lehne ich mich zurück und folge den Worten des Mannes am Rednerpult, blättere dabei immer schön im Skript mit und mache mir sogar die ein oder andere Notiz. Wenn das doch immer so wäre - stumpfes auswendig Lernen, logische Zusammenhänge. Wobei, nee! Wo bliebe denn da bitte die Herausforderung?! Vermutlich kommt es wie immer auf die ausgewogene Mischung an. Um 14:00 Uhr endet Tag 1 dann auch schon und mit einem wohlgemeinten "Machen Sie sich keine Sorgen. Wir liegen noch gut in der Zeit", werden wir wieder in die Freiheit entlassen. Den Vorsatz, die letzte halbe Stunde der Histo-Vorlesung zu Hause nachzuarbeiten habe ich dann konsequent ignoriert und auf einen der kommenden Tage verlegt - Wie das eben so ist mit den Vorsätzen im neuen Jahr :)

Bis dahin!

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